Politische Rhetorik in den Sommergesprächen

In den letzten Wochen hat unsere Geschäftsführerin Dagmar Hemmer auf LinkedIn die einzelnen ORF-Interviews aus Kommunikationssicht analysiert. Die Zusammenfassung ergibt folgendes Bild: 

Narrative: Alle Parteichef:innen haben versucht, ihre Botschaften mit einfachen Leitbegriffen oder wiederholten Phrasen zu verankern. Stocker spricht von „geänderten Zeiten“, Kickl von „Systemparteien“, Meinl-Reisinger von „wir liefern“, Gewessler von „Zukunft und Kindern“ und Babler von „Verantwortung“. Auf diesen Begriffen bauen die Politiker:innen ihre Rahmenerzählung auf. Für das Publikum schafft das Orientierung, substanzielle politische Inhalte stehen aber nicht immer dahinter. 

Zielgruppen: Jeder Auftritt war klar auf bestimmte Wählersegmente zugeschnitten. Dabei zeigt sich, dass Zielgruppenrhetorik manchmal auch Gefahr läuft, andere Gruppen vor den Kopf zu stoßen – etwa Stocker mit seiner Haltung zu Pensionserhöhungen. 

Authentizität: Persönliche und/oder emotionale Geschichten sind ein probates Mittel, um Nähe zum Publikum herzustellen. Nicht alle beherrschen das. Kickl und Gewessler sind hier am überzeugendsten. Babler setzt fast schon zu routiniert auf seine Arbeiterkind-Erzählung. Meinl-Reisinger und vor allem Stocker bleiben sachlich und distanziert. 

Kritische Fragen: Verständlich ist, dass die Parteichef:innen nicht jede Frage im Detail beantworten möchten. Daher kommen auch unterschiedliche rhetorische Methoden zur Anwendung. Mehr oder weniger geschickt wird die Ebene gewechselt, eine Brücke zur eigenen Botschaft gebaut, monologisiert oder gleich ganz abgeblockt. 

Fazit: 

  • Die Sommergespräche zeigen, dass kommunikative Klarheit nicht immer so einfach zu erreichen ist. Nur ganz wenige Beispiele oder Forderungen bleiben schlussendlich hängen. 
  • Wer deutliche Metaphern und Emotionen einsetzt, kann stärker punkten – unabhängig davon, ob man die Inhalte teilt. 
  • Einmal mehr gilt: Eindruck schlägt Inhalt! Denn die Art des Auftritts (Sprache, Gestik, Körperhaltung…) beeinflusst unsere Bewertung stärker als die konkreten inhaltlichen Botschaften. 

 

Die Agentur communicationmatters arbeitet nicht für Parteien, bietet aber Medientrainings für alle an, die etwas zu sagen haben. Alle Infos dazu finden Sie unter https://communicationmatters.at/leistungen/medientraining/ 


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