Über Jahre hinweg galt SEO (Suchmaschinenoptimierung) als Garant für mehr Online-Sichtbarkeit. Durch den Einsatz von generativer KI hat sich dies nun deutlich gewandelt. Aufmerksamen Google-User:innen wird bereits aufgefallen sein, dass die Suchmaschine immer öfter sogenannte „KI-Zusammenfassungen“ anzeigt. Statt einer Trefferliste liefert sie vollständig synthetisierte Antworten, die aus verschiedenen Quellen im Netz generiert werden. Wird eine solche Zusammenfassung präsentiert, klicken Nutzer:innen laut einer Studie des US-Forschungsinstituts Pew Research Center nur halb so oft auf die tatsächlichen Suchergebnisse. Eine Entwicklung, die sich in puncto Sichtbarkeit langfristig durchaus bemerkbar macht und GEO (Generative Engine Optimization) stärker in den Fokus rückt.
Warum bedrohen KI-Zusammenfassungen Online-Medien?
Leidtragende dieses technologischen Fortschritts sind einmal mehr die österreichischen Medienhäuser. Während sie sich bisher auf Online-Traffic über Suchmaschinen verlassen konnten, ist ihre Realität heute eine andere: durch die Einführung der KI-Zusammenfassungen auch von Newsmeldungen ist die Anzahl der Zugriffe bei Onlineausgaben österreichischer Zeitungen massiv eingebrochen. Da ihre Finanzierung in hohem Maße von Werbeeinnahmen abhängt, die wiederum direkt an die Reichweiten gekoppelt sind, erhöht diese Entwicklung den Druck auf die ohnehin krisengebeutelten journalistischen Medien.
Was steckt nun dahinter?
Die technologische Grundlage nennt man Retrieval-Augmented Generation (RAG):
Die KI durchsucht aktuelle Quellen, bewertet deren Relevanz und fasst sie logisch zusammen. Inhalte konkurrieren also nicht mehr um Ranking-Positionen in der Suchmaschine, sondern darum, in KI-Antworten zitiert oder verarbeitet zu werden. Konkret heißt das, die Keyword-Dichte verliert an Bedeutung, stattdessen zählt, wie gut ich ein Thema erklären, einordnen und vernetzen kann.
Wie bleibt man im KI-Zeitalter sichtbar?
Es ist nun durchaus möglich, dass Websites zwar bei Google gut ranken, jedoch nie im Rahmen einer KI-Antwort erscheinen. Etwa dann, wenn Inhalte nicht tief genug oder generisch sind, keine strukturierten Daten vorhanden sind, Entitäten (Unternehmen, Produkte, Personen) nicht eindeutig beschrieben werden oder KI-Crawler, also automatisierte Bots, die Inhalte für das Training von KI-Systemen sammeln, die Information nicht maschinenlesbar abrufen können. Folgende Tipps können helfen, die Sichtbarkeit des eigenen Contents zu erhöhen:
Inhaltliche Optimierung für KI:
– Tiefe statt Oberfläche: ausführliche, faktenbasierte Inhalte, die ein Thema wirklich erklären
– Fragen beantworten: Inhalte an echten Fragen von Nutzer:innen ausrichten
– Semantische Struktur: Themen in Clustern erklären, Zusammenhänge sichtbar machen
– Natürliche Sprache: klar, präzise, verständlich formulieren
Technische Optimierung bleibt Pflicht:
– strukturierte Daten (eindeutig codierte Zusatzinfos; signalisieren, welche Inhalte auf der Seite zu finden sind)
– schnelle Ladezeiten und stabile Performance
– klare URLs und vollständige Metadaten (präziser Meta-Title, aussagekräftige Meta-Description)
– Crawler-Zugänglichkeit auch für KI-Bots
Offpage-Signale für KI stärken:
Die KI bewertet auch Infos über die eigene Seite auf fremden Websites:
– Erwähnungen in Fachquellen
– qualitativ hochwertige Links zur eigenen Seite
– Social Signals (Hinweise aus sozialen Netzwerken: likes, shares etc.) und Expertenpräsenz
– Mentions (Erwähnungen des eigenen Unternehmens oder Website auf anderen Seiten), selbst ohne Link, wirken als Vertrauenssignal für KI-Modelle.
Unterm Strich gilt: KI verändert die Spielregeln der Sichtbarkeit grundlegend. Statt um Positionen in den Suchergebnissen konkurrieren Inhalte nun darum, von Modellen als relevant erkannt und in Antworten verarbeitet zu werden. Wer Themen ganzheitlich erklärt, sauber strukturiert, technisch zugänglich macht und durch externe Signale stützt, bleibt dennoch auch in KI-generierten Ergebnissen präsent.
Verfasst von Vanessa Steiner