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CAP Konferenz 2018: Agenda Setting und der Einfluss von Lobbying auf politische Prozesse

Über 150 TeilnehmerInnen aus Wissenschaft und Wirtschaft tauschten sich heuer während der dreitägigen Konferenz des Comparative Agendas Project (CAP) über aktuelle politikwissenschaftliche Forschungsergebnisse aus den Bereichen politische Kommunikation, Agenda Setting und Lobbying aus. Unsere Kollegin Ramona Zmolnig präsentierte dabei nicht nur Ergebnisse aus ihrem eigenen Framing-Forschungsprojekt, sondern gibt in diesem Beitrag auch Einblick in spannende aktuelle Studien.

Die CAP-Konferenz 2018 fand im wunderschönen Amsterdam statt

It’s all about the right frame

Laut einer aktuellen Studie haben Botschaften, die sich gegen die Elite richten („Anti-elite messages“) den stärksten positiven Einfluss auf politisches Engagement. Dieser Effekt wird durch steigende Arbeitslosenzahlen verstärkt. Auch Botschaften, die sich gegen Migration richten verstärken politisches Engagement; allerdings nicht per se, sondern nur, wenn starke rechtspopulistische Parteien das Thema im jeweiligen Land aufgreifen. Zu diesem Ergebnis kam Michael Hameleers (University of Amsterdam), der sich mit der Frage beschäftigt, welche Auswirkungen Populismus auf politisches Engagement in 16 europäischen Staaten (u.a. auch Österreich) hat.

Ramona Zmolnig, Public Affairs-Beraterin bei communication matters, konnte empirisch belegen, dass strukturelles Framing in der Problemdefinition von Korruption zu mehr politischem Engagement im Parlament führt. Wird Korruption im Zusammenhang mit strukturellen Problemen und dem System gesehen, werden mehr Antikorruptionsmaßnahmen verabschiedet – wird sie hingegen als Charakterschwäche und moralisches Problem „gerahmt“, ist die nationale Antikorruptionsgesetzgebung schwach ausgeprägt.
Unsere Kollegin untersuchte dabei über einen Zeitraum von fast zehn Jahren den Einfluss von politischem Framing auf Antikorruptionsmaßnahmen in Österreich. Durch Framing werden bei ein und demselben Inhalt verschiedene Fakten hervorgehoben, wodurch die Einstellungen und das Verhalten der EmpfängerInnen unterschiedlich beeinflusst werden (siehe hierzu auch das Video-Interview mit Framing-Expertin Amber E. Boydstun, PhD von der University of California).

CAP-Konferenz 2018WissenschaftlerInnen aus der ganzen Welt stellten ihre Forschungsergebnisse vor

Der Einfluss von Interessengruppen und Lobbying auf die politische Agenda

Eine Studie der University of Texas zeigt auf, dass Zusammenschlüsse von Interessengruppen effektiver ihre Lobbying-Ziele erreichen können – je höher ihre organisatorische Diversität, desto größer der Erfolg. Außerdem hat die Länge einer Stellungnahme einen positiven Effekt auf die Wahrscheinlichkeit der Berücksichtigung im finalen Gesetzestext. Grundlage der Studie von Maraam Dwidar bildet eine Reihe von öffentlichen Stellungnahmen zu Gesetzesentwürfen von 50 amerikanischen Interessengruppen aus dem Jahr 2015. 35 Prozent der Stellungnahmen werden dabei in Koalitionen bzw. formellen oder informellen Zusammenschlüssen eingereicht. Um den Einfluss von Interessengruppen zu messen vergleicht Dwidar die inhaltliche Übereinstimmung der Stellungnahmen mit dem finalen Gesetzestext.

University of AmsterdamAuf dem Campus der University of Amsterdam

Beth Leech von der Rutgers University (New Jersey) führte im Vorjahr über 1000 Interviews mit Lobbyisten in vier Ländern (USA, UK, Deutschland und Niederlande) durch, um Informationen über die politischen Agenden der Interessengruppen zu erhalten. Die Untersuchung lieferte zwei wesentliche Erkenntnisse:

1) LobbyistInnen und Interessengruppen forcieren nicht immer ihre eigenen Prioritäten. Sie widmen sich vor allem dann nur sekundären Themen, wenn sie wissen, dass die jeweilige nationale Regierung wenig Interesse an den eigentlichen Prioritäten der Interessengruppe hat.

2) In allen untersuchten Ländern bildet das Thema Gesundheit die Top-Priorität unter den Interessengruppen und der Bevölkerung. Allerdings mit unterschiedlichem Fokus: Interessengruppen konzentrieren sich dabei vor allem auf Gesundheitsreformen, Tabak und die Pharmaindustrie. Die Öffentlichkeit hat einen klaren Fokus auf Krankenversicherungen und deren Kosten. Während die US-Bevölkerung insbesondere auf die Themen Sozialhilfe, Familie, Kriminalität und Migration wert legt, beschäftigen sich LobbyistInnen vor allem mit Banken und Finanzen, Digitalisierung und Technik sowie Umwelt.

Amsterdamer GrachtenKonferenzdinner in den Amsterdamer Grachten

Fazit

Die CAP-Konferenz ist eine durch und durch spannende Veranstaltung, die Wissenschaft und Privatwirtschaft zusammenbringt, indem praxisnahe Studien und Forschungsergebnisse diskutiert werden. Vor allem für BeraterInnen aus dem Public Affairs-Bereich bringt die Konferenz einen Mehrwert, da viele Erkenntnisse in der Beratungstätigkeit unterstützen können. Nächstes Jahr wird die Konferenz voraussichtlich Ende Juni in Budapest stattfinden.

Über die CAP-Konferenz 2018

Die Konferenz des Comparative Agendas Project (CAP) fand von 4. bis 6. Juli an der Universität Amsterdam statt und wurde heuer zum elften Mal vom Institut für Politik und Kommunikation (CPC) und der Amsterdam School of Communication Research (ASCoR) veranstaltet. Diskutiert wurde im Rahmen von 17 Panels und über 80 Präsentationen, mit Fokus auf Agenda Setting. Neben Paneldiskussionen und gemeinsamen Plenareinheiten, hielt Professor Claes de Vreese als Keynote Speaker seinen Vortrag über die Beziehung zwischen Agenda Setting und Framing.

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