Politik

Die Coronakrise in Deutschland

Berthold Schilling, Interel Berlin 

Die COVID-19-Pandemie hat Deutschland unerwartet und schwer getroffen. Der für die deutsche Volkswirtschaft so bedeutsame Export ist im April um 31% eingebrochen. Auch das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im April um 7,0% im Vergleich zum Vorjahresmonat gesunken und für das Gesamtjahr 2020 wird ein erheblicher BIP-Rückgang bis zu 9,4% erwartet.

Investitionen in Innovationstechnologien

Umso wichtiger war es, dass die Bundesregierung schnell reagiert hat. Bereits am 23. März wurde das bis dato größte Hilfspaket in der über 70-jährigen Geschichte der Bundesrepublik beschlossen und mit einem Sonderhaushalt von 150 Millionen Euro finanziert. In dem ersten Hilfspaket ging es vorrangig um Akutmaßnahmen wie Direkthilfen für Unternehmen, Kurzarbeitergeld und Finanzspritzen für Krankenhäuser. Dagegen liegt der Fokus des aktuellen Pakets, neben weiteren Unterstützungsmaßnahmen für betroffene Sektoren, Impulsen zur Nachfragestimulierung und einer Entlastung der Kommunen, vor allem auf Investitionen in Innovationstechnologien, z.B. in den Bereichen Wasserstoffproduktion, künstliche Intelligenz oder dem Ausbau des 5G-Netzes.

Diese Tendenz lässt sich besonders anhand einer der wichtigsten deutschen Wirtschaftszweige erkennen – der Automobilindustrie. Die Förderung von reinen Elektroautos wurde aufgestockt und der Ausbau der Ladesäulen-Infrastruktur mit mehreren Milliarden unterstützt. Die geforderte Kaufprämie für Verbrennungsmotoren kam hingegen nicht. Der Branchenverband zeigte sich darüber enttäuscht. Trotz bester politischer Vernetzung und mehrerer Treffen mit der Kanzlerin, wurde den Automobilproduzenten die Vorzugsbehandlung dieses Mal verwehrt.

Gewinner und Verlierer der Pandemie

Der krisenbedingte Nachfrageschock betraf viele Wirtschaftszweige – am stärksten allerdings Sektoren wie die Tourismuswirtschaft, das Gaststättengewerbe und die Veranstaltungsbranche. Erschwerend kommt bei diesen Industrien hinzu, dass keine Nachholeffekte zu erwarten sind – im Gegensatz zum produzierenden Gewerbe, welche die Konsumverluste im 3. und 4. Quartal sowie in 2021 teilweise ausgleichen kann, insbesondere mithilfe der gesenkten Mehrwertsteuer.

Es hat sich auch gezeigt, wie wichtig Anpassungsfähigkeit und Resilienz sind. Neben Unternehmen, die ihr Geschäftsmodell auf die Produktion von Atemschutzmasken oder Desinfektionsmitteln umgestellt hatten, um einen Teil der Einkommenseinbußen auszugleichen, gab es Firmen, die aufgrund ihres zukunftsorientierten Unternehmenskonzepts zu Krisengewinnern wurden. Technische Lösungen für die Arbeit im Home-Office oder kontaktlose Lieferservices wurden in Zeiten von COVID-19 besonders stark nachgefragt, aber dieser Trend wird sich in der Zeit danach nicht einfach umkehren.

Das Bedürfnis, zum Status quo der Vorkrisen-Zeit zurückkehren zu wollen, ist verständlich, aber die Arbeitswelt wird nach der Pandemie eine andere sein.”

Die Krise als Katalysator

Das Bedürfnis, zum Status quo der Vorkrisen-Zeit zurückkehren zu wollen, ist verständlich, aber die Arbeitswelt wird nach der Pandemie eine andere sein. Schon jetzt lässt sich beobachten, wie die Krise als Katalysator bereits vorher erkennbare Entwicklungen vorantreibt, indem sie den digitalen Wandel des Berufslebens beschleunigt oder zur Marktkonsolidierung in mehreren Sektoren führt.

Für Unternehmen, aber auch für uns als Public Affairs-BeraterInnen, gilt es nun zu erkennen, wie sich unsere Volkswirtschaften nach der Krise verändern werden und dabei auch langfristige gesellschaftliche Trends wie den Klimaschutz und die Digitalisierung zu berücksichtigen.

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