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So twittert der neue Nationalrat

70 der insgesamt 183 Nationalratsabgeordneten sind auf Twitter registriert, ihr Nutzungsverhalten variiert enorm: Regierungsmitglieder verlautbaren Botschaften, die Opposition schärft ihr Profil und pflegt Netzwerk und Kontakte. Wir haben analysiert, wie die Abgeordneten der XXVI. Gesetzgebungsperiode Twitter nutzen.

Ein Selfie mit Kollegen in der Parteizentrale oder der Hinweis auf die Wahlparty – die NEOS-Abgeordnete Claudia Gamon lässt auch am Wahlsonntag 2017 an ihrem Leben teilhaben. Die 28-Jährige kommentiert regelmäßig das politische Geschehen in 140 Zeichen: Mit 29.500 Tweets und Retweets hat sie von allen österreichischen Parlamentariern bisher am häufigsten Kurznachrichten verfasst und geteilt. Und sie bleibt auch selten eine Antwort schuldig, diskutiert und interagiert.

Viele Accounts, wenig Interaktion

Hierzulande haben 70 von den insgesamt 183 Abgeordneten einen Account, aber nur 37 nutzen Twitter aktiv, das heißt, sie verfassen oder teilen also mindestens zehn Nachrichten pro Monat. Noch weniger, nämlich nur 22 Parlamentarier, nutzen Twitter zum Dialog mit anderen Nutzern – etwa politischen Mitbewerbern oder Journalisten.

Viele der aktiven Parlamentarier verwenden Twitter fast ausschließlich zur Einwegkommunikation: Sie versuchen eigene Themen voranzutreiben und teilen Inhalte anderer Accounts, die ihre Meinung repräsentieren. So etwa Sebastian Kurz: Er hat mit 262.000 Followern zwar das größte Publikum, interagiert aber kaum.

Opposition aktiver im Dialog – Rollenwechsel von Kern

Oppositionspolitiker haben ein grundsätzlich anderes Nutzungsverhalten: Sie sind stärker auf Twitter vertreten, nutzen den Kanal, um Aufmerksamkeit zu bekommen, Themen zu setzen und bei Journalisten im Gedächtnis zu bleiben. Mit besonderer Konsequenz hat Noch-Bundeskanzler Christian Kern seinen Rollenwechsel auf Twitter bereits vollzogen: Sein Account wurde ursprünglich auch von Mitarbeitern befüllt und diente primär der Verlautbarung. Mittlerweile twittert Kern ausschließlich persönlich und tritt vermehrt auch in Dialog.

Kleinparteien besonders aktiv

Von der Liste Pilz sind fünf von acht Abgeordneten auf dem Kurznachrichtendienst registriert, wobei der mittlerweile zurückgetretene Parteigründer mit 12.200 Tweets mit Abstand am aktivsten ist. Ähnlich wie bei den NEOS lastet auf Abgeordneten kleiner Klubs großer Druck, alle Aspekte parlamentarischer Arbeit abzudecken: inhaltliche Arbeit, Positionierung, Netzwerk, Kommunikation, Außenwirkung. Da bietet sich Twitter natürlich an.

Je jünger desto Twitter-affiner

Wenig überraschend sind junge Abgeordnete Twitter-affiner als ältere: Die NEOS haben mit 42 Jahren das geringste Durchschnittsalter im Klub und sind mit neun von zehn Abgeordneten auf Twitter vertreten. Unter den Top 10 der Parlamentarier auf Twitter sind fünf von ihnen. In den Parlamentsklubs der Parteien mit dem höchsten Durchschnittsalter SPÖ (50 Jahre) und FPÖ (49 Jahre) liegt der Anteil der Twitterer hingegen nur bei 31 Prozent.

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